Die Gründerjahre
Am 1. Oktober 1890 eröffnete der Bandagist und Orthopädist Albert Bergte unweit der Cottbuser Oberkirche seine Bandagenwerkstatt. 3 Jahre später zog Bergte in die Dresdener Straße 10 um. Die dortigen Räumlichkeiten boten mehr Platz für Werkstatt und Geschäft, sodass fortan auch ein breites Brillensortiment angeboten werden konnte.
Die goldenen Zwanziger
Das Geschäft mit den Brillen übernahm im Jahr 1913 der Sohn Albert Bergte jr., der Bandagist und außerdem Optiker war. 1923, nach dem plötzlichen Tod des Vaters, führte der Sohn den gesamten Betrieb weiter. Schon bald erwiesen sich die Räume wiederum als zu klein. Bergte erwarb deshalb das ganze Grundstück Dresdener Straße 3. Dort erweiterte er die Optiksparte und schuf eine Abteilung für Arzt- und Krankenhausbedarf. Darüber hinaus wurden Fotoartikel und Film-ent¬wicklungen in das Angebot aufgenommen.
Im Dritten Reich
Der nächste Schritt des Zimmermann-Vorgängerbetriebs war die Hinzunahme des angrenzenden Grundstücks, Ostrower Straße 19. Das Foto zeigt die dortige Näherei und Bandagenwerkstatt. Die Firma Bergte hatte sich zu dieser Zeit auch zum größten Lieferanten der Region für Krankenhaus- und Ärztebedarf entwickelt. Erst die teilweise Zerstörung der Gebäude im Kriegsjahr 1945 setzte dem Aufwärtstrend ein vorläufiges Ende.
Die Nachkriegsjahre
Der 2. Weltkrieg hinterließ dem Firmeninhaber Albert Bergte jr. weitestgehend zerstörte Verkaufs- und Werkstatträume. Der Neuanfang gelingt ihm in der Straße-der-Jugend 2, einem ehemaligen Buchladen. Bald darauf können auch die orthopädischen Werkstätten in der Ostrower Straße wieder eröffnet werden. Nach dem Tod Bergtes im Jahre 1960 übernimmt seine Frau Johanna die Firma und führt sie erfolgreich weiter. Große Teile des damaligen Bezirkes Cottbus werden in der Folgezeit mit orthopädischen Hilfsmitteln beliefert. Das Versorgungsgebiet von Bergte erstreckt sich von Cottbus über Klettwitz, Calau, Lauchhammer, und Lübben bis nach Luckau und Senftenberg.
Die Verstaatlichung
Als in den Siebziger Jahren die letzte Verstaatlichungswelle durch die DDR rollte und sich immer mehr Eigentümer (mehr oder weniger freiwillig) dazu entschließen, ihre Geschäftsanteile dem Staat zu übertragen, gibt auch Johanna Bergte auf. Die Firma wird dem Rat der Stadt Cottbus, Abteilung für Gesund¬heits- und Sozialwesen, unterstellt. Sie heißt fortan „Staatliche Orthopädische Werkstätten Cottbus“ und wird zur „Bezirksleiteinrichtung für Orthopädietechnik“ erklärt.
Die Siebziger Jahre
In den Jahren 1976/77 erfolgte eine umfassende Modernisierung der Werkstatträume. Viele der aufwendigen Umbaumaßnahmen wurden von den Mitarbeitenden eigenhändig durchgeführt. 1977 wurde der Werkstattbereich um eine Kunststoffverarbeitung erweitert, in der moderne Materialien wie Polyester, Polyethylen und Polyurethan verarbeitet werden konnten. Im selben Jahr entstand in der Berliner Straße eine Lehrwerkstatt, in der im September 1977 die ersten Auszubildenden ihre Lehre begannen.
Die Achziger Jahre
Im Jahr 1980 versorgten die 35 Mitarbeitenden der Orthopädischen Werkstätten Cottbus rund 2.500 Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen. In den Folgejahren wurde das Versorgungsgebiet ausgeweitet: Die Mitarbeitenden übernahmen die Betreuung in Lübbenau, errichteten eine Außenstelle in Finsterwalde und kooperierten mit Kolleginnen und Kollegen in Forst.
Die Leistungspalette wurde in den 1980er Jahren kontinuierlich erweitert, als Folge technischer Innovationen und der Einführung neuer Materialien. Beispiele hierfür sind schienenlose Unterschenkelprothesen, Brustepithesen, die Versorgung von Stoma-Patienten sowie die Einlagenversorgung für Kinder. Erstmals wurden auch körperferne Hilfsmittel ins Angebot aufgenommen.
Die Neunziger Jahre
In den Orthopädischen Werkstätten Cottbus wurde zahlreiche Orthopädiemechaniker ausgebildet. Einer von Ihnen ist Jörg Zimemrmann.
Im Herbst 1989, zum Zeitpunkt des Mauerfalls, erhielt er seinen Meisterbrief. Ohne zu zögern, nutzte Jörg Zimmermann die unverhoffte Reisefreiheit, um in Niedersachsen ein Jahr lang Erfahrungen in Sachen Marktwirtschaft zu sammeln.
Zurück in Cottbus, leitete er 1991 mit der Privatisierung den Neuanfang ein und gründete das Sanitätshaus Zimmermann. Es folgten der Kauf und Umbau des Vorderhauses in der Ostrower Straße 19. Im Oktober 1993 öffneten dort das Sanitätsfachgeschäft seine Türen. Bereits ein Jahr später erhielt die Reha-Technik neue, moderne Räumlichkeiten direkt gegenüber. Parallel entstand in Senftenberg eine erste Filiale.
Die Zweitausender Jahre
Mit dem Ziel, in eine zukunftsfähige Infrastruktur zu investieren, zog das Unternehmen Ende 1999 in sein neues Firmengebäude um. Das neue Haupthaus am Seegraben vereinte einen großzügigen Verkaufsbereich, Werkstätten, Lagerflächen, moderne Büroräume und Behandlungszonen unter einem Dach.
In den 2000er-Jahren entwickelte sich das Sanitätshaus Zimmermann zu einem der führenden Gesundheitsdienstleister in Südbrandenburg. Das Unternehmen steht für Qualität, Innovationsbereitschaft, nachhaltiges Wirtschaften und eine umfassende Versorgung in den Bereichen Orthopädie- und Orthopädieschuhtechnik, Rehatechnik sowie Sanitäts- und Homecare-Bedarf.
Die Zweitausendzehner Jahre
Mit dem anhaltenden Wachstum des Unternehmens stieg auch der Platzbedarf. Anfang der 2010er-Jahre wurde das Hauptgebäude am Seegraben aufgestockt. Die neu geschaffenen Räumlichkeiten boten zusätzliche Flächen für die Verwaltung und die Werkstätten.
Parallel dazu wurden die Dienstleistungen kontinuierlich erweitert. Auch der Kundenservice sowie die Fahrzeugflotte wurden stetig ausgebaut.
Ab 2015 begannen die Planungen für einen großzügigen Erweiterungsbau. Bereits damals war absehbar, dass die bestehende Infrastruktur den steigenden Anforderungen langfristig nicht mehr gerecht werden würde. Künftig sollten die verschiedenen Leistungsbereiche auf zwei Gebäude verteilt werden, um sowohl für die Patientinnen und Patienten als auch für das Team optimale Bedingungen zu schaffen.
Das Engagement des Unternehmens wurde 2016 mit dem Großen Preis des Mittelstandes ausgezeichnet – als Anerkennung für unternehmerische Weitsicht, nachhaltige Entwicklung und soziale Verantwortung.